Das größte Spiel von allen: Wie wir endlich „auf der Erde“ ankommen

Hast du dich jemals gefragt, warum wir uns oft selbst in den schönsten Momenten – mitten im Spiel, im Gespräch oder im Urlaub – seltsam getrennt von der Welt fühlen? Wie ein Beobachter hinter einer Glasscheibe, der zwar alles sieht, aber nicht wirklich da ist?

Auf meiner Seite spreche ich oft über das Wirkprinzip. Es geht darum, wie Erfahrungen uns formen und wie wir durch echtes Erleben wieder in Kontakt mit unserer Selbstwirksamkeit kommen. Doch es gibt eine biologische Hürde, die oft unterschätzt wird: Unser Nervensystem.

Die biologische Eintrittskarte: Co-Regulation

Ein Zitat von Gopal Norbert Klein bringt es auf den Punkt:

„Erst wenn wir bei einem anderen Menschen angekommen sind, können wir in unserem eigenen physischen Körper ankommen.“

Das klingt paradox. Wir denken oft, wir müssten erst mit uns selbst „im Reinen“ sein, bevor wir auf andere zugehen können. Die Neurobiologie sagt das Gegenteil: Wir sind soziale Säugetiere. Unser Nervensystem findet Sicherheit nicht durch einsame Meditation, sondern durch Co-Regulation.

Wenn wir uns in der Gegenwart eines anderen Menschen sicher fühlen, signalisiert unser Vagusnerv dem Körper: „Die Gefahr ist vorbei. Du darfst weich werden. Du darfst landen.“

Das Wirkprinzip des „Ehrlichen Mitteilens“

Wie schlagen wir die Brücke vom isolierten „Überlebensmodus“ hin zu diesem tiefen Willkommensgefühl? Gopal schlägt hierfür das Ehrliche Mitteilen (EM) vor.

Im Grunde ist EM ein radikales Experiment im Hier und Jetzt. Es geht nicht darum, Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen oder Probleme zu wälzen. Es geht darum, die Maske fallen zu lassen und drei Ebenen zu kommunizieren:

  1. Was ich im Körper spüre (z.B. „Mein Brustkorb ist eng“).
  2. Welche Gefühle da sind (z.B. „Ich fühle mich gerade unsicher“).
  3. Was der Kopf denkt (z.B. „Ich denke gerade, dass ich alles falsch mache“).

Das Faszinierende daran ist das Wirkprinzip dieser Interaktion: In dem Moment, in dem ich meine innere Not ausspreche und mein Gegenüber mich einfach nur hört – ohne mich zu korrigieren, zu trösten oder zu bewerten – passiert etwas Magisches. Die Isolation bricht auf. Ich werde „gehalten“, ohne dass mich jemand berühren muss.

Warum das für uns „Spieler“ wichtig ist

Ob beim Brettspiel, in der Therapie oder im echten Leben: Wir suchen nach Resonanz. Wir wollen spüren, dass unser Handeln und unser Sein eine Wirkung haben.

Wenn wir lernen, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind (und nicht, wie wir glauben, sein zu müssen), verändern wir die Architektur unseres Nervensystems. Wir finden ein „äußeres Zuhause“ in der Verbindung zu anderen, was uns erst die Erlaubnis gibt, ein „inneres Zuhause“ im eigenen Körper zu bewohnen.

Sich willkommen fühlen ist kein passiver Zustand. Es ist die Frucht des Mutes, sich verletzlich zu zeigen.

Dein nächster Schritt

Vielleicht achtest du beim nächsten Mal, wenn du mit jemandem Zeit verbringst, mal darauf: Wo bist du gerade? Bist du „hinter der Glasscheibe“ oder traust du dich, eine kleine, echte Regung deines Inneren zu teilen?

Das Wirkprinzip der Verbundenheit beginnt mit einem einfachen: „Ich spüre gerade…“