In einer Welt, die von Erfolgsratgebern und Produktivitäts-Apps dominiert wird, erscheint Geld oft als direkte Belohnung für harte Arbeit: Je mehr du tust – je mehr E-Mails du versendest, Meetings du führst oder Produkte du launchst –, desto reicher wirst du. Doch die Realität widerspricht diesem Narrativ.
Zwei Verkäufer mit identischen Skripten und Techniken können dramatisch unterschiedliche Ergebnisse erzielen: Der eine schließt Deal um Deal ab, während der andere trotz gleicher Anstrengung leer ausgeht. Dieses Paradoxon lässt sich nicht allein durch Strategien oder Marktbedingungen erklären. Stattdessen liegt die Lösung in einer ontologischen Perspektive: Geld reagiert nicht primär auf das, was du tust (das Ontische), sondern auf das, was du bist (das Ontologische). Es folgt der Resonanz deines inneren Zustands, nicht der Summe deiner Handlungen. In diesem Essay werde ich diese Unterscheidung erläutern, den zugrunde liegenden Prozess beschreiben und mit pragmatischen sowie bildhaften Beispielen illustrieren, um zu zeigen, wie man diese Prinzipien in den Alltag integrieren kann.
Die Unterscheidung: Ontisches Tun vs. Ontologisches Sein
Das Ontische bezieht sich auf die sichtbare, messbare Ebene der Wirklichkeit – die Welt der Handlungen, Strategien und To-do-Listen. Hier geht es um das „Tun“: Du schreibst Angebote, postest auf Social Media, optimierst deine Website oder führst Verkaufsgespräche. Diese Akte sind essenziell, doch sie sind nur die Oberfläche. Ontisch zu handeln bedeutet, etwas zu unternehmen, um ein Ergebnis zu erzwingen – eine kausale Kette, die auf Anstrengung basiert. Viele Menschen verharren hier und wundern sich, warum „alles richtig Machen“ zu Stagnation führt. Sie optimieren endlos, ohne dass der Durchbruch kommt.
Im Kontrast steht das Ontologische, die tiefe Ebene des Seins: Deine Identität, innere Haltung, Selbstverständnis und Präsenz. Es geht nicht darum, was du machst, sondern wer du dabei bist. Ontologisch zu sein bedeutet, einen Zustand zu verkörpern, aus dem Handlungen natürlich und selbstverständlich entspringen. Hier wirkt Resonanz: Geld als Repräsentant von Wert fließt zu denen, die Wert sind, nicht zu denen, die ihn machen wollen. Menschen spüren dies intuitiv durch Neurozeption – eine präreflexive Wahrnehmung des Nervensystems, die Bedürftigkeit von Fülle unterscheidet, Mangel von Präsenz. Bevor ein Wort fällt, „liest“ der andere deine Seinsweise: Handelst du aus innerem Druck, um zu überzeugen, oder aus Klarheit, die keines Beweises bedarf?
Bildhaft gesprochen ist das Ontische wie Wellen auf einem See: Sie sind sichtbar und bewegt, doch sie entstehen aus der Tiefe des Wassers darunter. Das Ontologische ist der See selbst – ruhig, tief und die wahre Quelle der Bewegung. Wenn der See trüb ist (Mangel-Sein), brechen die Wellen chaotisch; ist er klar (Fülle-Sein), fließen sie harmonisch.
Warum Geld auf Sein reagiert: Die Logik der Resonanz
Geld ist kein moralisches System, das Fleiß belohnt, und kein mechanisches Werkzeug, das auf Input reagiert. Es folgt Resonanz – einer energetischen Übereinstimmung zwischen deinem Sein und der Welt. Auf ontischer Ebene mag alles identisch wirken: Zwei Coaches bieten denselben Kurs an, zu demselben Preis, mit denselben Werbekampagnen. Doch der eine zieht Klienten mühelos an, der andere kämpft. Der Unterschied? Resonanz operiert ontologisch. Kunden spüren, ob du aus Fülle gibst oder aus Mangel nimmst. Wer Wert „macht“, signalisiert Insuffizienz – ein „Entwurfs-Modus“, der auf Zukunft gerichtet ist, um Gegenwart zu kompensieren. Wer Wert „ist“, strahlt Stabilität aus, die Vertrauen erzeugt.
Pragmatisch: Stell dir einen Freelancer vor, der stundenlang E-Mails schreibt, um Aufträge zu ergattern. Aus Mangel-Sein heraus klingt jede Nachricht wie eine Bitte: „Ich brauche das Geld.“ Ergebnis? Wenige Antworten. Derselbe Freelancer, der seine Identität klärt – „Ich bin Experte, der Wert schafft“ – schreibt kürzer, selbstbewusster. Plötzlich fließen Anfragen, weil die Resonanz passt. Bildhaft: Geld ist wie ein Magnetfeld. Tun ist das Schütteln des Magneten – es erzeugt Bewegung, aber keine Anziehung. Sein ist die Ausrichtung der Pole: Sobald du „ausgerichtet“ bist, zieht das Feld Ressourcen an, ohne dass du rühren musst.
Der ontologische Wirkprozess: Von Ereignis zur Wirksamkeit
Wirksamkeit entsteht nicht über Nacht, sondern durch einen schrittweisen Prozess der Verdichtung:
- Ereignis: Eine einzelne Handlung, wie ein erfolgreicher Verkauf. Ontisch wirkt sie wie ein Funke, doch ohne ontologische Basis erlischt sie schnell.
- Muster: Wiederholte Handlungen aus ähnlicher Haltung. Hier stabilisiert sich eine Gewohnheit, aber sie bleibt reaktiv – du „zwingst“ dich noch.
- Identität: Die Verkörperung: „Ich bin erfolgreich.“ Die Trennung zwischen dir und der Handlung löst sich auf; Erfolg wird Eigenschaft.
- Wirksamkeit: Automatische Anziehung – Geld fließt, weil deine Präsenz Resonanz erzeugt.
Dieser Prozess ist kumulativ: Ereignis→Muster→Identita¨t→Wirksamkeit. Pragmatisch angewendet: Eine Autorin postet täglich Inhalte (Muster). Aus Mangel-Sein ( „Ich muss viral gehen“) bleibt der Impact gering. Sie shiftet zu „Ich bin Stimme, die inspiriert“ – plötzlich wachsen Follower organisch, Bücher verkaufen sich. Bildhaft: Es ist wie ein Baum wachsen lassen. Das Ereignis ist der Samen, das Muster das Gießen, die Identität der Stamm, die Wirksamkeit die Früchte. Ohne tiefe Wurzeln (Sein) trägt der Baum nichts.
Zeit als ontologischer Verstärker
Zeit ist kein neutraler Multiplikator von Tun; sie verstärkt das Sein. Wer aus Mangel handelt, vertieft mit der Zeit diesen Mangel – Aktivität wird zu Erschöpfung. Wer aus Klarheit agiert, wird exponentiell wirksamer, oft bei weniger Aufwand. Pragmatisch: Ein Startup-Gründer grindet Jahre in Panik-Modus; Umsatz stagniert. Er pausiert, reflektiert sein Sein („Ich bin Innovator“), kehrt zurück – Investoren klopfen an. Bildhaft: Zeit ist wie ein Fluss. Tun ist das Rudern gegen die Strömung; du kommst voran, aber erschöpft. Sein ist das Mitfließen; der Fluss trägt dich weiter, und mit der Zeit wächst die Geschwindigkeit.
Pragmatische und bildhafte Beispiele aus dem Alltag
Um dies greifbar zu machen, betrachten wir zwei Szenarien:
- Pragmatisches Beispiel: Der Jobwechsel. Zwei Angestellte bewerben sich um dieselbe Position: Gleiche Qualifikationen, gleiche Bewerbungen. Kandidat A agiert ontisch – er „tut“ alles, um zu überzeugen, aus Angst vor Ablehnung. Seine Interviews wirken forciert. Kandidat B verkörpert Sein: „Ich bin der Richtige.“ Seine Präsenz strahlt Selbstwert aus. Ergebnis? B bekommt den Job und ein höheres Gehalt. Tipp: Kultiviere Sein durch tägliche Affirmationen oder Meditation – nicht als „Tun“, sondern als Einstimmung.
- Bildhaftes Beispiel: Der Gärtner und der Jäger. Ontisches Tun ist wie ein Jäger, der wild umherläuft, um Beute zu erjagen – er erwischt vielleicht etwas, aber es kostet Kraft. Ontologisches Sein ist wie ein Gärtner, der den Boden bereitet und wartet: Die Ernte kommt von allein, weil der Boden (Identität) fruchtbar ist. Geld als „Ernte“ fließt zu dem, dessen „Boden“ Resonanz erzeugt.
Ein weiteres pragmatisches Beispiel: In der Immobilienbranche tun zwei Makler dasselbe – Besichtigungen, Verhandlungen. Makler A drängt (Mangel-Sein), Makler B berät ruhig (Fülle-Sein). A schließt sporadisch ab, B baut ein Netzwerk auf, das passiv Käufer anzieht. Bildhaft: Geld ist wie Licht, das auf einen Spiegel fällt. Tun ist das Polieren des Spiegels; Sein ist der Winkel – nur bei richtiger Ausrichtung reflektiert es hell.
Schlussfolgerung: Der Primat des Seins und praktische Umsetzung
Zusammengefasst dreht sich die Ontologie des Geldes um den Primat des Seins: Nicht Aktivität erzeugt Wohlstand, sondern verkörperte Identität. Geld folgt nicht dem, was du tust, sondern dem, was durch dich hindurchwirkt – einer klaren Präsenz, die Resonanz schafft. Die Implikation? Verschiebe den Fokus: Statt mehr zu tun, kläre dein Sein. Beginne mit Reflexion: Welche Haltung treibt meine Handlungen? Übe Präsenz durch Achtsamkeit, um Muster zu Identität zu verdichten. Mit Zeit wird Wirksamkeit unvermeidlich.
Dieser Shift ist radikal, doch er löst das Paradoxon: Warum manche mühelos prosperieren, während andere kämpfen. Ontologisch wirksam zu werden heißt nicht, härter zu arbeiten, sondern tiefer zu sein. Aus dieser Tiefe entsteht alles – inklusive des Geldflusses, der natürlich folgt.Zum Chat hinzufügen
