
Der innere Dreiklang-Check
Diese Selbstdiagnose-Übung ist speziell für Klienten entwickelt, die trotz innerer Motivation Schwierigkeiten haben, in die Handlung zu kommen. Sie hilft, die Gründe dafür zu erkunden, indem sie den Fokus auf drei innere Ebenen legt: den Verstand (Kopf), den Körper und das Nervensystem (Bauchgefühl). Der „innere Dreiklang“ symbolisiert die Harmonie oder Disharmonie zwischen diesen Ebenen. Durch regelmäßige Anwendung lernen Klienten, Selbstmitgefühl zu entwickeln, anstatt sich selbst zu kritisieren, und ein besseres Gespür für das richtige Timing zu erlangen – wann es sinnvoll ist, voranzugehen, und wann Pausen oder Anpassungen nötig sind.
Vorbereitung: Nimm dir 10–15 Minuten Zeit in einer ruhigen Umgebung. Setze dich bequem hin, atme tief durch und notiere deine Antworten in einem Journal oder auf einem Blatt Papier. Sei ehrlich und urteilsfrei zu dir selbst. Wiederhole die Übung idealerweise täglich oder bei Bedarf, z. B. wenn du feststeckst.
1. KOPF-Check: Was will mein Verstand gerade?
Hier geht es um deine rationalen Gedanken, Ideen und Pläne. Der Verstand ist oft motiviert und voller Ziele, aber er kann die anderen Ebenen übersehen.
- Anleitung: Schließe die Augen und frage dich: „Was will mein Verstand gerade? Welche Ideen, Pläne oder Ziele drängen sich auf?“ Notiere alles, was hochkommt – z. B. „Ich will den Bericht fertigstellen“, „Ich plane, Sport zu machen“ oder „Ich habe die Idee, mit Freunden zu treffen“. Sei konkret und liste 3–5 Punkte auf.
- Beispielnotizen:
- Ziel: Den Jobwechsel vorantreiben.
- Idee: Heute den Lebenslauf aktualisieren.
- Plan: Morgen einen Kurs buchen.
Ziel dieses Checks: Den intellektuellen Antrieb sichtbar machen, ohne ihn sofort umzusetzen.
2. KÖRPER-Check: Was meldet mein Körper?
Der Körper signalisiert oft, ob du wirklich bereit bist. Motivation im Kopf reicht nicht, wenn der Körper erschöpft ist.
- Anleitung: Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper. Scanne von Kopf bis Fuß: „Was meldet mein Körper? Wie ist mein Energielevel? Fühle ich Müdigkeit, Spannung oder körperliche Bereitschaft?“ Notiere Empfindungen wie „Energielevel niedrig, Schultern verspannt“ oder „Fühle mich ausgeruht und motiviert“. Achte auf Signale wie Herzrasen, Schwere in den Beinen oder Wärme im Bauch.
- Beispielnotizen:
- Energielevel: Mittel – müde nach dem Tag, aber nicht total erschöpft.
- Müdigkeit: Ja, in den Augen und im Rücken.
- Körperliche Bereitschaft: Bereit für leichte Aktivitäten, aber nicht für Intensives.
Ziel dieses Checks: Den physischen Zustand anzuerkennen, um Überlastung zu vermeiden und Mitgefühl für deine Grenzen zu wecken.
3. NERVENSYSTEM-Check: Was sagt mein Bauchgefühl zu Kontakt oder Aktivität?
Das Nervensystem reagiert intuitiv auf Bedrohungen oder Chancen – oft als Expansion (Offenheit, Entspannung) oder Kontraktion (Zusammenziehen, Unruhe). Es schützt dich vor Überforderung.
- Anleitung: Konzentriere dich auf dein Bauchgefühl oder die Brustregion. Frage: „Was sagt mein Bauchgefühl zu dieser Aktivität oder zum Kontakt mit anderen? Fühlt es sich wie Expansion (Weite, Freude, Entspannung) oder Kontraktion (Enge, Angst, Widerstand) an?“ Notiere, ob es sich öffnet oder schließt, und assoziiere es mit der geplanten Handlung.
- Beispielnotizen:
- Zu Aktivität (Jobwechsel): Leichte Kontraktion – Unsicherheit im Bauch.
- Zu Kontakt (mit Freunden): Expansion – Wärme und Vorfreude.
- Gesamteindruck: Gemischt, eher zurückhaltend.
Ziel dieses Checks: Die emotionale und intuitive Ebene einzubeziehen, um zu verstehen, warum der Körper oder Geist blockiert.
Reflexion: Wo sind diese drei Ebenen nicht synchron?
Nun vergleiche die drei Checks und identifiziere Ungleichgewichte. Das ist der Schlüssel, um zu verstehen, warum du trotz Motivation nicht handelst.
- Anleitung: Schau dir deine Notizen an und frage: „Wo sind Kopf, Körper und Nervensystem nicht im Einklang? Welche Ebene dominiert, und welche wird ignoriert?“ Notiere Diskrepanzen, z. B. „Der Kopf will voran, aber Körper und Nervensystem signalisieren Müdigkeit und Kontraktion.“ Überlege sanft: „Was brauche ich, um Synchronität herzustellen? Eine Pause? Anpassung des Plans? Mehr Selbstfürsorge?“
- Beispielreflexion:
- Synchron: Der Kopf plant Sport, und das Nervensystem fühlt Expansion.
- Nicht synchron: Der Kopf drängt auf Arbeit, aber der Körper ist müde (niedriges Energielevel), und das Nervensystem kontrahiert (Angst vor Überlastung).
- Einsicht: Ich kritisiere mich nicht für ‚Faulheit‘, sondern erkenne, dass jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Stattdessen: Eine kurze Erholungspause einplanen, um später synchron zu handeln.
Abschließende Hinweise: Diese Übung fördert Selbstmitgefühl, indem sie zeigt, dass Blockaden oft schützende Signale sind – nicht Schwäche. Reduziere innere Kritik, indem du sagst: „Es ist okay, nicht immer perfekt synchron zu sein.“ Lerne Timing: Handele, wenn alle Ebenen grünes Licht geben; pausiere sonst. Wenn du merkst, dass tiefergehende Themen (z. B. Trauma) im Spiel sind, suche professionelle Unterstützung. Probiere die Übung aus und passe sie bei Bedarf an!
