Der Baum zählt
keine Äpfel.
Ein Apfelbaum steht nicht im Frühling auf und denkt: „Dieses Jahr müssen es mindestens 437 Äpfel werden.“
Er macht keine Marktanalyse. Er optimiert keine Strategie. Er vergleicht sich nicht mit dem Baum nebenan.
Der Baum will nichts.
Er wächst.
Wenn ich ehrlich bin, merke ich, dass ich einen Großteil meines Lebens anders gelebt habe.
Ich wollte wirken. Etwas bewegen. Menschen erreichen. Etwas hinterlassen.
Daran ist nichts falsch. Aber unbemerkt hatte sich etwas eingeschlichen – ein leiser Zusatz, den ich lange nicht gehört habe.
Ich wollte wirken …
um.
Meine Bewegung war echt. Aber sie war eingefärbt von einem Beweisdurst, den ich mir selbst kaum eingestanden habe.
Nicht das Wollen war das Problem. Das kleine Wort dahinter war es.
Leistung und Wachstum
sind nicht dasselbe.
Leistung
- erzeugt
- will bemerkt werden
- fragt: Was habe ich geschafft?
- zählt
- braucht Beweise
Wachstum
- entsteht
- geschieht auch im Verborgenen
- fragt: Bin ich gut verwurzelt?
- entfaltet
- braucht Zeit
Beides ist real. Aber nur eines trägt.
Vier Umkehrungen,
die alles ändern.
Vier kleine Verschiebungen. Ein völlig anderes Leben.
Ich glaube, wir verbringen viel zu viel Energie damit, unsere Früchte zu zählen – und viel zu wenig Zeit damit, unsere Wurzeln zu spüren.
Ein Baum versucht nicht,
Früchte hervorzubringen.
Er ist. Er wächst. Er blüht.
Die Früchte sind eine Folge.
Vielleicht sind unsere Worte, unsere Musik, unsere Ideen, unsere Liebe nie dafür gedacht gewesen, unseren eigenen Wert zu beweisen.
Vielleicht sind sie einfach Früchte unseres Wesens.
Und ob sie heute jemanden erreichen oder erst in zehn Jahren – entscheidet nicht darüber, ob der Baum gewachsen ist.
BLEIB IN VERBINDUNG
