Ein Satz, den ich in mir gefunden habe – und der so still gearbeitet hat, dass ich ihn nie hätte formulieren können. Doch er zeigt sich in meinem Verhalten. Immer wieder. Bis jetzt.
Dieser Satz hat mich gerade erwischt:
Mein Wille gefährdet den Willen des anderen.
Ich wusste nicht, dass ich das glaube. Zumindest hätte ich es bis heute nicht so formulieren können.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum manche Glaubenssätze so wirksam sind. Sie laufen nicht als fertige Sätze durch unseren Kopf. Sie zeigen sich in unserem Verhalten.
Kapitel 1 · Das Beispiel
Ich wollte Kontakt. Und verschwand dabei.
Bei mir ging es um etwas ziemlich Einfaches:
Ich möchte Kontakt. Ich möchte Nähe. Ich möchte eine Partnerin. Ich möchte Anziehung.
Ich schrieb neulich eine Nachricht. Formulierte, was ich suche. Und suchte einen Weg, das so zu sagen, dass niemand sich unter Druck fühlt.
Also schrieb ich, dass ich eine Frau für ehrlichen, echten Kontakt suche.
Musik. Natur. Ehrliches Mitteilen.
Alles richtig. Alles wahr. Und trotzdem fehlte etwas:
Ich. Genauer gesagt: mein Wille.
Denn eigentlich wünsche ich mir nicht nur eine weitere Frau zum ehrlichen Mitteilen. Ich wünsche mir Anziehung. Nähe. Berührung. Gemeinsame Morgen. Eine Partnerin an meiner Seite. Das hatte ich weggelassen – nicht aus Zufall, sondern aus einer alten Vorsicht.
Kapitel 2 · Die falsche Frage
Warum muss ich verschwinden, damit du frei bist?
Vielleicht war es Rücksicht. Sicherlich auch. Aber irgendwann stellte sich mir eine andere Frage:
Warum muss ich verschwinden, damit der andere frei sein kann?
Das muss ich gar nicht. Denn ich hatte zwei Dinge miteinander verwechselt:
Wollen
Ich sage, was ich mir wünsche. Ich zeige mich. Ich bin sichtbar.
Verfügen
Ich erwarte, dass du das lieferst. Ich mache mein Wollen zu deinem Muss.
Das eine ist ein Ausdruck. Das andere ist ein Anspruch. Ich hatte gedacht, mein Ausdruck sei schon ein Anspruch. Deswegen hatte ich ihn abgesenkt.
Kapitel 3 · Zwei Sätze, ein Raum
Ich sage, was ich will. Du sagst dein Ja oder Nein.
Vielleicht ist es so einfach – und so schwer:
Ich
Ich möchte dich kennenlernen.
Du
Ich dich nicht.
Ich
Ich wünsche mir Nähe.
Du
Ich möchte das nicht.
Und beides darf sein. Weil mein Ausdruck deine Freiheit nicht angreift – solange ich dein Nein hören und aushalten kann.
Die Freiheit des anderen entsteht nicht dadurch, dass ich meinen Willen verstecke. Sie entsteht dadurch, dass ich sein Ja und sein Nein respektiere.
Kapitel 4 · Der neue Satz
Mein Wille darf sichtbar sein.
Daraus entstand für mich ein neuer Satz:
Mein Wille darf sichtbar sein, ohne den Willen des anderen aufzuheben.
Und noch einer:
Ich muss meinen Willen nicht kleiner machen, damit der andere frei bleiben kann.
Das fühlt sich neu an. Fast ungewohnt. Und gleichzeitig wunderschön.
Denn damit darf auch mein eigener Wille wieder zurückkommen. Nicht als Machtinstrument. Nicht als Manifestation. Nicht als „Mein Wille geschehe und die Welt hat zu liefern“.
Sondern viel menschlicher.
Der Song zum Text
Zwei Willen.
MATT MEILEN – Deep & Melodic House. Der Text als Musik.
Songtext lesen
Intro
Ich hab gelernt
dir Raum zu lassen
hab gelernt
nichts zu verlangen
hab meinen Wunsch
ganz leise gemacht
damit du
frei sein kannst
Verse 1
Ich wollte Nähe
und sagte nichts
ich wollte bleiben
und ging einen Schritt zurück
ich wollte sagen
ich will dich seh’n
doch dachte
wenn ich will
musst du vielleicht geh’n
Pre-Chorus
Ich hab geglaubt
mein Wille macht Druck
mein Wunsch nimmt dir
ein Stück Freiheit zurück
also hielt ich mich
lieber zurück
und nannte
es Rücksicht
Chorus
Mein Wille
gefährdet deinen nicht
Ich darf dich wollen
auch wenn du mich nicht willst
Ich darf mich zeigen
ohne dich festzuhalten
Ich darf dich fragen
und du darfst Nein sagen
Mein Wille
gefährdet deinen nicht
Du bleibst du
und ich
verschwinde nicht
Instrumental
— nur Musik —
Verse 2
Ich muss meinen Willen
nicht kleiner machen
damit du
frei bleiben kannst
Ich muss dich
nicht vor mir schützen
du bist erwachsen
du kannst
selber wählen
und ich darf
sichtbar sein
Pre-Build
Ich zeige dir
was in mir ist
nicht damit du
etwas damit machst
sondern damit du
mir wirklich
begegnen kannst
Build
Zwei Menschen
zwei Wünsche
zwei Grenzen
zwei Leben
Ich trage meins
du trägst deins
und irgendwo dazwischen
kann Begegnung
entstehen
Drop
Hallo
hier bin ich
und ich
habe Interesse
Nicht mehr
nicht weniger
Was willst du?
Bridge
Wahrnehmen
ohne Konsequenzzwang
Wollen
ohne Anspruch
Zeigen
ohne Druck
Begegnen
ohne Verfügung
Ich muss nicht
verschwinden
damit du
frei sein kannst
Final Chorus
Mein Wille
darf sichtbar sein
ohne deinen
aufzuheben
Ich darf dich wollen
du darfst Nein sagen
Ich darf näherkommen
du darfst Abstand wählen
Mein Wille
gefährdet deinen nicht
Du bleibst du
und ich
bleibe ich
Outro
Ich zeige dir
was in mir ist
nicht damit du
etwas damit machst
sondern damit du
mir wirklich
begegnen kannst
Hier bin ich.
Was willst du?
Und dann bleibt am Ende ein Angebot – kein Anspruch, keine Bedingung, keine Erwartung:
Das bin ich. Das wünsche ich mir. Was wünschst du dir?
Und dann schauen wir. Vielleicht entsteht etwas zwischen uns. Vielleicht nicht.